Januar 2015 - Teufelsabbiss - Blume des Jahres 2015

Augen auf! Ich bin der Teufelsabbiss und Blume des Jahres 2015! Lasst mich stehen! Wer hätte das gedacht! Noch vor über 500 Jahren hat man aus mir feine Destillate gewonnen und mich so als Pestschutz eingenommen. Die Zeiten ändern sich und so ist auch meine Wirkung gegen Schüttelfrost und stechendes Herz ebenfalls in Vergessenheit geraten. Ich erinnere mich noch gut, wie damals der Teufel meine heilsame Wurzel (Rhizom) abgebissen hat, aus lauter Neid wegen meiner starken Wirkung. Spuren des Schmerzes hat er allemal an mir hinterlassen, der arge Kerl. Mein Name "Teufelskralle", bot. Succisa pratensis von lat. succisus, was "unten abgeschnitten" bedeutet, geht nämlich noch heute auf dieses Ereignis zurück.

Ich bin inzwischen leider eine gefährdete Pflanze! In Ostbayern sogar schon mit der Vorwarnstufe nach der Roten Liste versehen. Es ist arg geworden um mich, dabei bin ich doch wirklich eine sehr Hübsche! Meine Blüten sind richtig halbkugelig und so kann man mich kaum mit Skabiosen und Witwenblumen verwechseln, obwohl wir alle in die Familie der Kardengewächse gehören. Meine Hüllblätter sind kürzer als die Blütenblätter und so bin ich auf Anhieb gut zu erkennen. Außerdem sind meine Randblüten nicht strahlig. Also alles mit ein wenig "Schaulust" kein Bestimmungsproblem!

Ja, Blume des Jahres bin geworden, weil meine Lebensräume in den ich wohne immer weniger werden. Ich brauche zum Leben feuchte und vor allem magere Wiesen. Offene Landschaften, Moor- und Heidegebiete sowie Graben- und Wegränder sind mir am Liebsten. Doch weil die Menschen genau diese Landschaften zu intensiv nutzen oder gar nicht mehr nutzen, wird meine Heimat entweder überdüngt oder sie wächst zu und verbuscht. Von solchen Brachflächen verschwinde ich ganz schnell.

Die Loki-Schmidt-Stiftung hat mich zur "Blume des Jahres" erkoren, damit ihr auf mich und meine Lebensräume besser aufpasst und die Artenvielfalt schätzen lern!
Wenn ihr mich findet, dann lasst mich bitte stehen und freut Euch einfach an mir!


Eingestellt: 20. Januar 2015
Text: Hansjörg Hauser
Fotos: Loki Schmidt Stiftung, Hamburg. Wir danken für die urheberrechtliche Überlassung