April 2018

Mit Mistelkraft in den ethnobotanischen Frühling!

Hättest Du es gewußt? Über 1400 Arten von Misteln gibt es auf unserem Planeten. In unseren Breiten finden wir die Weißbeerige Mistel (Viscum album) mit drei Unter­arten, nämlich Laubholzmistel, Tannenmistel und Kiefernmistel. Die Tropen und Subtropen sind Heimat der meisten anderen Arten.

Roland André, Apotheker und Ethnobotaniker aus Pfaffenhofen/Ilm, nahm die 20 Kräuterpädagoginnen und –pädagogen der Interessengemeinschaft Niederbayern/Oberpfalz am 19. April 2018 auf eine lebenspraktische Reise in die Welt der Mistel mit. Dabei gelang es dem Fachexperten, der auch Trainer bei natura naturans in München ist, botanisch-ökologisches Wissen mit Anwendungen in der Kräu­ter­pä­da­go­gen­pra­xis spannend zu verbinden.

Als Halbschmarotzerpflanze bildet die Mistel assimilierende Seitenwurzeln (Rindenwurzeln), die ihrerseits wieder Tochtersprosse bilden können. Diese durchdringende und aufbrechende Eigenschaft und Signatur der Mistel findet sich auch in vielen Anwendungsbereichen der Volks- und Phytomedizin wieder. So war es Rudolf Steiner, der diese Eigenschaften der Mistel in der Tumortherapie- Lebensqualität verbessernd, begründete. Eifrig diskutierten die Teilnehmenden mit dem Experten über ihre Erfahrungen aus dem Bereich der Ge­sund­heits­berufe und kritisierten die mangelnde Aufgeschlossenheit der klassischen Medizin. Besonders hilfreich ist die Symbol- und Zauberpflanze zusätzlich bei Rheuma, Blutdruckregulierung und Drüsenschwäche. Die krampflösenden Eigenschaften haben sich bei Asthma bewährt. Zudem können Misteln Arteriosklerose und Krämpfe günstig beeinflussen.

Das Herstellen einer Mistelsalbe war am Nachmittag wichtiger Praxisteil der intensiven Fortbildung. Das hausgemachte Präparat unterstützt Muskel- und Gelenkprobleme. Zusätzlich erfuhren wir viel über das Wie der Ernte der nur jungen Blätter und dünnen Zweige. Mistel sollte ausschließlich in Form von Kaltauszügen verwendet werden. Grund sind die enthalten Schleimstoffe, Lektine und Viscotoxine. In Abhängigkeit vom Wirtsbaum gibt es enorme Unterschiede am Gehalt der Inhaltsstoffe der Mistel.

Natürlich blickten wir uns auch tief in die schutz­ma­gi­sche Welt der Mistel. Begründet in der Kreuzstellung der Mistelzweige ist die Schutzsignatur. Die klebrigen Beeren korrespondieren mit der Kraft des Mondes, aber auch Saturn und Sonne sind kräftige Planeten, die der Mistel in der Astrobotanik zugeordnet werden. So erzählten sich die Anwesenden mystische Geschichten über die beiden Brüder Hödur und Baldur, die ihren Zwist mit einem Mistelzweig tragisch lösten. Goldene Zauberruten und Geschichten zu goldenen Sicheln entrückten uns in eine besondere ethnobotanische Welt.

Am Ende des Fortbildungstages nahm uns Roland André mit auf ein persönliches Energieexperiment aus Misteltinkuren. Das Kraftfeld einer, mit vielen Misteln bewachsenen Linde, gab uns Raum zum Nachspüren, welche Kräfte aus den Pflanzen unser Leben prägen und stärken. Entspannt und voller Frühlingskräfte für die Welt der heimischen Wildkräuter endete die kompetente Weiterbildung zur Qualitätssicherung unserer Arbeit in der Naturvermittlung.

Text & Fotos: Hansjörg Hauser

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