März 2021

„Kätzchen“ – ein Rätsel

Auf einer langen Stange sitzt
ein Rudel junger Kätzchen.
Doch keines seine Ohren spitzt,
und keines mit den Augen blitzt,
und keines regt ein Tätzchen.

Und auch nicht eines schreit: „Miau!“
dreht Schnäuzchen nicht und Hälschen.
Nun rate klug und rate schlau:
Der Kopf ist schwarz, der Leib ist grau
und sammetweich das Pelzchen!

Von Friedrich Güll

Habt Ihr heraus­gefunden, um welches Kätzchen es sich handelt?
Freilich, es geht um die Palm­kätzchen!

Eigentlich ein beliebter Frühlingsschmuck, der zeigt, dass der Winter nun allmählich vorbei ist. Doch halt!

Das Bundes­natur­schutz­gesetz untersagt das Schnei­den der Palm­kätzchen, die alle von der Sal-Weide (Salix caprea L.) stammen. Zwischen dem 1. März und 30. September ist das Schnei­den verboten, egal ob Feld, Wald oder eigener Garten.

Gerade jetzt sind die Palmkätzchen im Früh­ling eine der wichtigsten ersten Nahrungs­quel­len für Bienen. Und die wiederum sorgen für die Bestäubung der Obstbäume und damit für eine gute Ernte. Später im Jahr legen Schmet­terlinge ihre Eier auf die Blätter der Sal-Weide. Den Raupen dienen die Weiden­blätter als schmack­haftes Futter. Ein Grund mehr, keine Palm­zweige zu schneiden!

Interessant zu Wissen:

Die Gattung der Weiden (Salix spec.) kennt bei uns in Europa 50 ver­schie­de­ne Arten, z.B. die Silberweide (S. alba L.), die Korbweide (S. viminalis L.) oder die Trauerweide (S. babylonica L.). Zu gerne kreuzen sich die Arten unter­einander ein, so dass Goethe schon von einem „lotterhaften Ge­schlecht“ sprach!

Zur Familie der Weidengewächse (Salicaceae) gehören auch die Pappeln. Alle Familien­mitglieder sind zweihäusig, das heißt es gibt weib­liche und männ­li­che Blüten und die wohnen getrennt voneinander auf jeweils eigenen Pflan­zen bzw. Bäumen.

Seit dem Altertum wissen wir Men­schen, dass sich aus der Rinde und den Blättern ein wirksames Kopf­schmerz- und Fiebermittel gewinnen lässt: Das Salicin, das in der Leber zur Salicylsäure umgebaut wird. In der syn­the­tischen Chemie heute der Grund­baustein für das Aspirin.

Tipp I für den Alltag:

Wer Zuhause was für unsere Bienen tun möchte, der sollte im Garten, die Hobbyimker vielleicht sogar in der Nähe des eigenen Bie­nen­stocks, eine Sal-Weide pflanzen. So freuen sich die geflügelten Insekten über eine schmack­hafte Nahrungs­quelle im Frühjahr gleich neben der Bienen­wohnung!

Tipp II für den Alltag:

Wer dennoch Zuhause die Wohnung hübsch mit Frühlings­zweigen dekorieren mag, für den sind Zweige der Forsythien eine Alternative. Sie produzieren weder Nektar noch Pollen und sind damit für unsere Insekten wertlos!


Genießt den Frühling!

Euer Vorstandsteam
der Interessengemeinschaft Kräuterpädagogen Niederbayern/Oberpfalz

Eingestellt: 10. März 2021
Text: Erika Stelzl und Hansjörg Hauser
Fotos: Hansjörg Hauser

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